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Das verlorene Interesse der Nounou K

 

Portrait F

Sie haben mich weggeschickt, auf der Stelle, weil ich das Kuscheltier des Kleinen verloren habe. Das ist gemein. Die Mama hat nicht gedacht, nicht eine Sekunde daran gedacht, dass ich damit sofort alles verliere, dass ich mich auf der Strasse wiederfinde wegen einem Kuscheltier.

Die Leute schwindeln sich eine Menge Geschichten über mich zusammen

Und ich kenn sie noch nicht mal. Ich hab sie noch nie gesehen. Es ist gemein so was zu sagen. Niemals lasse ich ein Kind allein auf die Strasse rennen. Auch nicht allein über eine Kreuzung. Nicht mal bei mir zuhause, in Afrika. Obwohl dort die Kreuzungen gefährlicher sind als hier.

Sie hat mich einfach rausgeschmissen...weil auf dem Spaziergang ....

Gemein ist das ... Einfach so von einem Moment auf den anderen findet man sich auf der Strasse wieder ...

(Spricht zu ihrer Tochter : in die Kamera)

Hübsch, findest du nicht auch, mein Mädchen, dass das hübsch ist. Auf jeden Fall wirst dus sehen. Das nächste Mal, wenn ich dich anrufe, werde ich dir alles erzählen.

Ich ertrage es nicht, hässlich auszusehen. Aber teuer ist der Friseur. Darum hab ich mir eine Perücke gekauft. Man schwitzt fast nicht drunter. Natürliche Haare, es gibt nichts Besseres.

Auf jeden Fall liebt es dieses Kind, zu laufen. Er rennt die ganze Zeit. Und heult, wenn man ihn einfängt. Aber die Leute schauen nur auf ihn. Und dann machen sie unangenehme Bemerkungen.

Man darf nicht die ganze Zeit Angst haben. Es gibt Mamas, die Schuldgefühle haben, weil sie nicht zuhause sind. Das ist fast hysterisch.

Kinder raufen immer miteinander. Da muss ich lachen. Man muss sich nicht die ganze Zeit deswegen aufregen. Das bringt garnichts. Aber die Eltern sindso beschränkt. Die Mütter ertragen es nicht, wenn ich lache.

Zum Glück ist sie nicht die ganze Zeit da. Sie erträgt ja noch nicht mal, dass ich ihre Haarnadeln benutze. Das kostet doch nicht viel.

Sie sieht auch nicht, wenn ich mit dem Staubsauger durch die Wohnung gegangen bin. Und ich sag auch nichts. Jeder hat seinen Stolz.

Zum wenigsten gibt sie mir die Erlaubnis, mich in ihrem Kühlschrank zu bedienen. Oft aber bins ich, die für den Kleinen was zum Essen einkaufen muss. Fisch vom afrikanischen Markt. Er mag was ich ihm koche. Wenn ich Eis in diesem alten Kühlschrank finde, auch das.

Er issts nicht mal, sind schon merkwürdig, diese europäischen Kinder.

Dermassen verwöhnt, dass sie nicht mehr wissen, was gut ist.

Noch dazu hat mir die Mutter erlaubt, Süsses zu kaufen. Um ihn damit anzulocken, wenn er auf die Strasse rennt. Der Wahnsinn, das. Ich esse alles.

Das letzte Mal, als so heiss war, wars Haggen D ...Nicht schlecht das Zeug...

Die Mama hat nichts gesagt. Wahrscheinlich hat sie geglaubt? Der Kleine hätts gegessen. Ihr ist nicht mal klar, dass er davon hätte Bauchweh haben müssen, dass es nicht gut ist für seine Gesundheit. Alle Kinder sind so

Und da sich die Mama von zeit zu Zeit eine Flasche Wein in den Kühlschrank stellt, genehmige ich mir auch ein Glas. Sonst sieht die Welt zu trostlos aus. Ich warte schon zu lange darauf, dass sich meine Situation verbessert. Jedenfalls hat sie mirs nicht verboten. Vielleicht hat sie sich geniert.

Versteh ich übrigens. Muss nicht einfach sein, allein sein Kind gross zu ziehen. Hat sich falsche Vorstellungen von ihrem Liebhaber gemacht – einen ganzen Film – und jetzt heult sie. Aber niemals .....

Die Europäerinnen sind zu stolz. Zu unabhängig. Und selbst wenn ihr Herz bricht, verstehen sie immer noch nichts, und aufhören tun sie gleich zweimal nicht.

Aber mir vorwerfen, dass ich träume. Dass ich den Kopf woanders habe. Dass ich nicht auf ihr Göre aufpasse. Man muss die Kinder machen lassen.

Sist schon arg komisch, wenn man sie mit ihrem Kind auf der Strasse sieht.

Wie sie sich mit ihm abkämpft – ausser sich hysterisch die Stimme verliert, weil er ihr nicht gehorcht.

Fehlt eben der Papa im Haus.

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